
Ausbildungspartnerschaft_Brasilien
(c) Tobias Kindel Stadt Herne
Gegen den Fachkräftemangel: Die Städte Herne und Bochum begrüßen im Rahmen einer internationalen Ausbildungspartnerschaft junge Nachwuchskräfte aus Brasilien.
Die Verwaltungen der Nachbarstädte Herne und Bochum beschreiten bei der Fachkräftegewinnung gemeinsam neue Wege. Angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels rekrutieren die beiden Ruhrgebietskommunen im Verbund gezielt Auszubildende aus Brasilien. Bei einem ersten Kennenlerntreffen bei der Straßenbahn Herne-Castrop-Rauxel GmbH (HCR) tauschten sich die Nachwuchskräfte nun über ihre ersten Wochen in Deutschland aus. Neben Vertretern städtischer Betriebe und der Bundesagentur für Arbeit war auch das Goethe-Institut São Paulo per Videoschalte eingebunden. Die jungen Berufseinsteiger überzeugen bereits vor Beginn der Lehre mit bemerkenswerten Deutschkenntnissen und hoher Motivation.
Erste Eindrücke von Mülltrennung bis Cranger Kirmes
Im persönlichen Gespräch berichteten die neuen Auszubildenden von ihren ersten Alltagserfahrungen und kulturellen Entdeckungen im Ruhrgebiet. Gabriel Barbosa Correa, der bei den Stadtwerken Herne eine Lehre als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik beginnt, schilderte mit einem Lachen, dass die Bürokratie hier schon etwas anders sei und man sich anfangs frage, welcher Müll in welche Tonne gehöre. Sein Kollege Lucas Alves de Andrade Neumamm freute sich darüber, dass sich gängige Vorurteile schnell aufgelöst hätten: Man habe in Brasilien oft die Auffassung, Deutsche seien sehr streng, doch erlebe er die Menschen als offen, freundlich und hilfsbereit. Auch gemeinsame Freizeitaktivitäten wie Besuche am Kemnader See oder auf der Cranger Kirmes sorgten für Begeisterung. Lourenço Winter, angehender Fachinformatiker bei der Stadt Bochum, schwärmte vom traditionsreichen Kirmesbesuch und betonte, dass er direkt ein zweites Mal hingefahren sei.
Während Jennifer Mainardes Demasio als künftige Veranstaltungstechnikerin vor allem die vielen Parks in Herne lobte, nutzte die angehende Kfz-Mechatronikerin Amanda Daudt Pedreschi die freie Zeit für einen Ausflug an den Nürburgring. Während ihrer Ausbildung stehen den südamerikanischen Auszubildenden ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren des „Senior Expert Service“ (SES) Bonn mit Rat und Tat zur Seite. Jörg Klinner vom Goethe-Institut betonte im Rahmen der Gesprächsrunde, dass die jungen Menschen in Herne und Bochum eine wunderbare Ausbildung erhalten. Franziska Mann von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) hob hervor, dass es sich bei dieser Kooperation um ein absolutes Vorzeigeprojekt handele. Elke Werthmann-Grossek von der Stadt Bochum bezeichnete das gemeinsame Vorgehen zudem als wertvollen Baustein gegen die Folgen des demografischen Wandels.
Kommunaler Verbund begegnet demografischem Wandel
Die Stadt Herne rechnet bis zum Jahr 2030 mit dem altersbedingten Ruhestand von rund 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Um personelle Engpässe frühzeitig abzufedern, setzt die Verwaltung auf ein Maßnahmenpaket aus Ausbildung, Quereinstiegen und gezielter internationaler Anwerbung. Der organisatorische Zusammenschluss von Herne, Bochum, den Stadtwerken Herne und der HCR senkt dabei Kosten und bürokratischen Aufwand bei Einreise- und Anerkennungsverfahren spürbar. Alle Beteiligten ziehen nach den ersten Schritten ein überaus positives Zwischenfazit der länderübergreifenden Partnerschaft.
