Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, wollen Bochum und Herne künftig gezielt Auszubildende aus Brasilien für ihre Verwaltungen und kommunalen Betriebe gewinnen.

Die Städte Bochum und Herne haben ein gemeinsames Pilotprojekt zur internationalen Nachwuchsgewinnung vorgestellt. Ab dem Ausbildungsjahr 2026 sollen erstmals junge Menschen aus Brasilien Ausbildungsplätze in verschiedenen kommunalen Bereichen übernehmen.

Hintergrund ist der zunehmende Fachkräftemangel in den Stadtverwaltungen und städtischen Unternehmen, der sich durch den demografischen Wandel weiter verschärft.

Reaktion auf den demografischen Wandel

Nach Angaben der Stadt Herne werden bis 2030 rund 650 Beschäftigte altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden. Ähnliche Entwicklungen werden auch für Bochum erwartet. Um diese Lücken zu schließen, setzen die Städte auf einen Maßnahmenmix aus Ausbildung, Quereinstieg, neuen Ausbildungsformaten und internationaler Rekrutierung.

Das Projekt mit Brasilien ist dabei ein zusätzlicher Baustein, der insbesondere dann greifen soll, wenn der Bedarf nicht mehr über den inländischen Arbeitsmarkt gedeckt werden kann.

Internationale Kooperation und Vermittlung

Das Vorhaben wird in Zusammenarbeit mit den Goethe-Institut-Standorten in Brasilien, der Agentur für Arbeit sowie der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit umgesetzt.

Ziel ist es, geeignete Bewerberinnen und Bewerber in Brasilien zu gewinnen und ihnen eine Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen. Die Rekrutierung erfolgt über das Programm „Ausbildungspartnerschaften mit Asien und Lateinamerika (APAL)“.

Unterstützung durch Mentoring-Programm

Die Teilnehmenden sollen in Deutschland durch erfahrene Mentorinnen und Mentoren des Senior Expert Service begleitet werden. Dieses Programm unterstützt seit Jahrzehnten internationale Bildungs- und Entwicklungsprojekte und soll den Einstieg in Ausbildung und Alltag erleichtern.

Die Auszubildenden müssen mindestens 18 Jahre alt sein und werden während ihrer Ausbildung fachlich und sozial begleitet.

Politische und wirtschaftliche Einordnung

Die Oberbürgermeister beider Städte betonen die Notwendigkeit des Projekts. Jörg Lukat verweist darauf, dass trotz aller Bemühungen im Inland der Fachkräftebedarf künftig nicht mehr allein national gedeckt werden könne. Internationale Rekrutierung sei daher ein ergänzender Ansatz, der zudem zur Diversität in den Verwaltungen beitrage.

Auch Frank Dudda hebt hervor, dass die Verwaltung auf den bevorstehenden Generationswechsel reagieren müsse und deshalb neue Wege in der Nachwuchsgewinnung notwendig seien.

Konkrete Ausbildungsplätze im Pilotprojekt

Im Rahmen des Projekts sollen zunächst sechs Ausbildungsplätze besetzt werden. Geplant sind unter anderem:

  • eine Ausbildung zur Veranstaltungstechnikerin in der Stadt Herne
  • eine Kfz-Mechatroniker-Ausbildung bei der HCR
  • eine Ausbildung zur Fachinformatikerin bzw. zum Fachinformatiker in Bochum
  • eine Ausbildung im Bereich Kinderpflege/Erziehung in Bochum
  • zwei Ausbildungsplätze als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik bei den Stadtwerken Herne

Die beteiligten Partner betonen, dass es sich zunächst um ein Pilotprojekt handelt, das bei Erfolg dauerhaft fortgeführt werden könnte.

Ziel: langfristige Fachkräftesicherung

Nach Einschätzung der Arbeitsagentur Bochum sei internationale Nachwuchsgewinnung ein wichtiger Bestandteil künftiger Personalstrategien. Ziel sei es, offene Ausbildungsstellen zu besetzen und gleichzeitig jungen Menschen aus dem Ausland neue berufliche Perspektiven zu eröffnen.

Das Projekt soll damit sowohl zur Sicherung kommunaler Leistungen als auch zur langfristigen Stabilisierung der Personalstruktur in den beteiligten Städten beitragen.