Westfalen in der Jungsteinzeit: LWL-Museum beleuchtet die Neolithische Revolution

LWL – Museum für Archeologie 1

Als aus Jägern und Sammlern die ersten sesshaften Ackerbauern wurden: Das LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne lädt am Donnerstag, 17. September, zu einem kostenfreien Vortragsabend ein, an dem Archäologinnen und Archäologen den aktuellen Forschungsstand zur Jungsteinzeit in Westfalen-Lippe präsentieren und eine neue Publikation vorstellen.

Der Übergang zur Sesshaftigkeit zählt zu den bedeutendsten Zäsuren der Menschheitsgeschichte. Nachdem über Jahrtausende die Jagd und das Sammeln wilder Pflanzen die Existenz gesichert hatten, setzte vor rund 12.000 Jahren von Anatolien und dem Vorderen Orient ausgehend ein tiefgreifender Transformationsprozess ein. Die Kultivierung von Wildgetreide, die gezielte Domestikation von Tieren und der Aufbau einer vorausschauenden Vorratswirtschaft bildeten das Fundament dieser Neolithischen Revolution. Durch die stabilere Nahrungsmittelversorgung stiegen die Bevölkerungszahlen rapide an, was die schrittweise Ausbreitung der bäuerlichen Lebensweise bis nach Mitteleuropa zur Folge hatte. Etwa um 5300 vor Christus erreichten die ersten Ackerbauern und Viehzüchter die fruchtbaren westfälischen Lössbörden.

Technische Umbrüche, Totenfürsorge und neue Publikation

Mit der veränderten Wirtschaftsform gingen weitreichende Neuerungen im handwerklichen, geistigen und gesellschaftlichen Gefüge einher. Typisch für die Epoche sind neuartige Siedlungsstrukturen, komplexe Rituale der Totenfürsorge sowie Meilensteine wie die Erfindung von Pflug, Rad und Wagen bis hin zur aufkommenden frühen Metallurgie. Diese Entwicklungen spiegeln sich in regionalen archäologischen Denkmälern wie Großsteingräbern, Erdwerken und Grabhügeln wider. Diesen Funden und Phänomenen widmet sich der frisch erschienene populärwissenschaftliche Band „Westfalen in der Jungsteinzeit“, verfasst von Bernhard Stapel, Hans-Otto Pollmann und Michael Baales. Das 276 Seiten starke Werk schließt die Reihe bisheriger Überblicksbände zur Ur- und Frühgeschichte und steht sowohl im Buchhandel als auch digital im kostenfreien Open Access bereit.

Im Museum am Europaplatz 1 stellen Prof. Dr. Michael Baales, Alexandra Philippi und Dr. Bernhard Stapel am 17. September ab 19:00 Uhr die Erkenntnisse aus über 3.000 Jahren westfälischer Neolithikum-Forschung vor. Der Eintritt zum Vortrag ist kostenfrei. Zudem verweist das Haus auf seine regulären Sonntags- und Feiertagsführungen durch die Sonder- und Dauerausstellungen, die für Erwachsene zwei Euro zuzüglich Museumseintritt kosten, während Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre freien Zugang genießen.

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