50 Jahre Kulturzentrum Herne: Vom Sichtbeton-Pionier zur modernen „Guten Stube“

Kulturzentrum Herne

Architektonisches Meisterwerk mit einzigartiger Saalhydraulik: Das Kulturzentrum am Willi-Pohlmann-Platz feiert sein 50-jähriges Bestehen und verzeichnet heute mehr Gäste als jemals zuvor.

Was Ende der 1960er-Jahre als bescheidene Überlegung mit einer Rücklage von lediglich 100.000 D-Mark für eine Bücherei und einen kleinen Saal begann, entwickelte sich zu einem Meilenstein der regionalen Nachkriegsarchitektur. Angesichts einer akuten Saalnot entschied sich der Rat der Stadt Herne Ende 1969 für die sogenannte „Große Lösung“, um Stadthalle, Volkshochschule, Stadtbücherei und Gastronomie unter einem Dach zu bündeln. Den Architektenwettbewerb gewann das Essener Büro Allerkamp und Niehaus, dessen Entwurf ab Juni 1973 im Ganzen realisiert wurde. Am 15. September 1976 öffnete das damals teuerste Bauprojekt der Stadtgeschichte, das rund 32 Millionen D-Mark gekostet hatte, mit Friedrich Smetanas Oper „Die verkaufte Braut“ feierlich seine Pforten.

Für Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda ist das Kulturzentrum seit fünf Jahrzehnten die gute Stube der Stadt und ein zentrales Symbol für gesellschaftlichen Zusammenhalt und Wandel. Auch Kulturdezernent Andreas Merkendorf hebt den visionären Charakter hervor, der Bildung, Lesekultur und anspruchsvolle Bühnenkunst miteinander verzahnt und das Haus zu einem unverzichtbaren Kulturanker im Ruhrgebiet macht.

Geniestreich der Bühnentechnik und millionenschwere Verjüngungskur

Weil sich Herne kein reines Schauspielhaus leisten konnte, lag das Hauptaugenmerk auf maximaler Multifunktionalität. Das technische Prunkstück bildet bis heute eine hochentwickelte Saal- und Bühnenhydraulik, die im Revier Seltenheitswert besitzt. Der abgestufte Parkettboden samt fester Bestuhlung lässt sich stufenweise absenken oder vollständig auf das Niveau von Foyer und Bühne anheben. In Kombination mit einem 75 Quadratmeter großen Orchestergraben, der gleichzeitig als Lastenaufzug dient, sowie flexiblen Trennwänden wandelt sich das Haus im Handumdrehen von einem klassischen Theater mit 790 Plätzen in eine ebene Veranstaltungsfläche für bis zu 1.200 Gäste.

Nachdem die markante Sichtbeton-Fassade in den 1990er-Jahren als düsterer Bunker wahrgenommen worden war, investierte die Stadt zwischen 2009 und 2010 rund 6,15 Millionen Euro in eine umfassende Sanierung. Die Außenhülle wurde aufgehellt, der Haupteingang barrierefrei direkt an die Platzebene des Willi-Pohlmann-Platzes verlegt und mit einem gläsernen Vordach aufgewertet. Im Foyer wichen die dunklen 70er-Jahre-Elemente einem hellen Lamellensystem, integrierter LED-Beleuchtung und einer fest installierten Lounge-Bar.

Kontinuierliche Modernisierung und Ausblick bis 2028

Auch in den Folgejahren blieb das Kulturzentrum am Puls der Zeit. Wie der technische Leiter Per Jaeger betont, wird die Ausstattung fortlaufend ertüchtigt; erst vor rund zwei Jahren erhielt das Gebäude eine vollends modernisierte Tonanlage. Ein professioneller Bühnenturm und flexible Versenkeinrichtungen gewährleisten, dass anspruchsvolle Tourneeproduktionen, Konzerte wie jene von Tom Gaebel oder große Tagungsformate problemlos umgesetzt werden können.

Dass dieses Konzept trägt, unterstreicht Claudia Stipp, Geschäftsführerin der Tagungsstätten- und Gastronomiegesellschaft Herne mbH. Das KuZ verzeichnet heute ein Rekordpublikum und genießt bei Agenturen und Kunstschaffenden weit über die Stadtgrenzen hinaus einen exzellenten Ruf. Während die aktuellen Programme auf Hochtouren laufen, blickt das Planungsteam längst weit voraus: Der Veranstaltungskalender füllt sich bereits mit ersten Buchungen für das Jahr 2028.

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