Das LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne bereichert seine Dauerausstellung um ein innovatives Präsentationskonzept. Das neu geschaffene „Schatzregal“ bietet Besucherinnen und Besuchern ab sofort die Möglichkeit, druckfrische archäologische Funde aus ganz Westfalen-Lippe aus nächster Nähe zu betrachten. Das Besondere daran: Die Vitrine dient auch als Bühne für private Finderinnen und Finder, die ihre rechtmäßig entdeckten Objekte hier stolz der Öffentlichkeit präsentieren können.

Unverzichtbare Zusammenarbeit mit lizenzierten Sondengängern

Der Begriff „Schatzregal“ leitet sich aus den Denkmalschutzgesetzen der Bundesländer ab. Für Nordrhein-Westfalen besagt dieser rechtliche Grundsatz, dass herrenlose Gegenstände von wissenschaftlichem Wert in das Eigentum des Landes übergehen. Da die Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Sondengängern und Magnetanglern für die Landesarchäologie immer bedeutsamer wird, setzt das Museum bewusst auf deren Einbindung.

Dr. Ulrich Lehmann, wissenschaftlicher Referent für Sondengehen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), betont die enorme Relevanz der Bürgerwissenschaften: Jährlich werden der LWL-Archäologie rund 25.000 Funde gemeldet. Mehr als 600 Sondengänger und Magnetangler sind mit offizieller Erlaubnis im Einsatz und liefern regelmäßig absolute Highlights der regionalen Geschichtsforschung.

Von neolithischen Pfeilen bis zum „Raumschiff Enterprise“ der Antike

Derzeit umfasst die neue Präsentation im Schatzregal insgesamt 42 Objekte und Fundsammlungen. Die Bandbreite reicht von Zufallsfunden auf dem Acker über Entdeckungen bei Spaziergängen und Bauarbeiten bis hin zu frischen Exponaten aus professionellen Grabungen.

Zu den aktuellen Höhepunkten der Ausstellung gehören:

  • Die Schalenfibel aus Recke: Eine vergoldete Fibel aus dem 5. Jahrhundert, entdeckt von Christian Dellbrügge im Kreis Steinfurt.

  • Der Bogenschütze von Saerbeck: Ein neolithisches Grab, in dem dicht hinter dem Kopf des Verstorbenen neun Pfeilspitzen geborgen wurden – vermutlich die Beigabe eines vollständigen Köchers.

  • Gelehrten-Medaille: Eine neuzeitliche Medaille der schwedischen Gesellschaft „Utile Dulci“, gefunden von Thorsten Kloppenborg.

  • Römisches Riemen-Ende aus Minden-Häverstädt: Ein scheibenförmiges Beschlagteil einer römischen Gürtelgarnitur aus der Zeit um 400 n. Chr. (Finder: Ronald Jakumait). Dr. Susanne Jülich, stellvertretende Museumsleiterin, hebt dieses Stück schmunzelnd als ihr Lieblingsobjekt hervor, da die Tierdarstellungen optisch verblüffend an einen frühen Entwurf des Raumschiffs Enterprise erinnern.

Interaktiver Dialog: Besucher sollen miträtseln

Das Schatzregal soll nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch den aktiven Dialog mit den Museumsgästen anregen. Da sich die genaue Funktion mancher historischer Gegenstände auf den ersten Blick nicht immer zweifelsfrei erschließt, fordert das Museumsservice-Team das Publikum zum Mitdenken auf. Über Haftnotizen und Stifte können Besucherinnen und Besucher vor Ort eigene kreative Vermutungen und Ideen zu den Ausstellungsstücken hinterlassen.

Weitere Informationen: Wer sich selbst für die Suche interessiert: Details zum offiziellen Antragsverfahren für das Sondengehen und Magnetangeln stellt der LWL online unter lwl-archaeologie.de bereit.