Warum trinkt der Mensch und wie prägte der Rausch unsere Zivilisation? Das LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne lädt zu einer wissenschaftlichen Spurensuche zwischen Evolution, Archäologie und geselligem Beisammensein ein. Der Vortrag eines Leipziger Max-Planck-Forschers wird zudem live ins Internet übertragen.

Alkohol nimmt in vielen Gesellschaften seit Jahrtausenden eine bedeutende soziale, politische und religiöse Rolle ein. Gleichzeitig ist der Umgang mit ihm bis heute von tiefen Widersprüchen geprägt: Einerseits handelt es sich um die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz, andererseits kann übermäßiger Konsum erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen haben, weshalb Alkohol in vielen Staaten und Religionen streng reguliert oder verboten wird. Im Rahmen der aktuellen Sonderausstellung „Mahlzeit!“ widmet sich das LWL-Museum für Archäologie und Kultur am kommenden Donnerstag, den 16. Juli 2026, um 19:00 Uhr dieser faszinierenden Thematik. Der tschechische Archäologe Václav Hrnčíř wird in einem kostenlosen Fachvortrag die kulturelle und evolutionäre Bedeutung von Alkohol beleuchten. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt.

Evolutionärer Nutzen oder nur „betrunkenes Geschwätz“?

In seinem Vortrag geht Hrnčíř den tiefen Ursprüngen alkoholischer Getränke nach und hinterfragt deren mögliche Rolle in der menschlichen Evolution. Dabei stellt er die wissenschaftliche Frage auf, ob das menschliche Verlangen nach Rausch ein reines evolutionäres Nebenprodukt ist oder vielmehr eine biologische sowie soziale Anpassung mit klarem Nutzen darstellt. Zudem widmet sich der Forscher der viel diskutierten These, ob das gemeinsame Trinken maßgeblich zur Entstehung komplexer Gesellschaften und erster Zivilisationen beigetragen haben könnte – oder ob diese populäre Vorstellung im Reich der Wissenschaft eher als „betrunkenes Geschwätz“ einzustufen ist.

Als Postdoktorand am Institut für Sprach- und Kulturevolution am renommierten Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig liegt Hrnčířs Schwerpunkt auf der empirischen interkulturellen Forschung. Nachdem er sich in der Vergangenheit mit Themen wie Sklaverei, Architektur, Waffen und historischer Mobilität beschäftigt hat, untersucht er aktuell die Herstellung und den Konsum alkoholischer Getränke in nicht-industriellen Gesellschaften. Seine Kernfragen lauten hierbei, warum manche Kulturen Alkohol herstellten, andere hingegen darauf verzichteten, und wie der kausale Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und sozialer Komplexität aussieht.

Kostenloser Eintritt und digitaler Live-Stream nach Hause

Der Eintritt zu der Veranstaltung am Europaplatz 1 ist für alle Besucher vollkommen frei, eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Für Interessierte, die am Donnerstagabend nicht persönlich nach Herne reisen können, bietet das Museum einen besonderen Service an: Der Vortrag wird in Echtzeit per Video im Internet übertragen. Über den offiziellen YouTube-Kanal des Hauses kann die Veranstaltung barrierefrei von zu Hause aus mitverfolgt werden.

Die Veranstaltung ist Teil der etablierten Vortragsreihe des Fördervereins des LWL-Museums, die regelmäßig neue wissenschaftliche Erkenntnisse rund um archäologische Themen und die Geschichte der Region Westfalen präsentiert. Wer vor oder nach dem Vortrag die dazugehörige Sonderausstellung „Mahlzeit! Wie Essen uns verbindet“ (läuft noch bis zum 13. September 2026) besuchen möchte, kann dies ebenfalls tun. Die Ausstellung zeigt anhand von über 300 Exponaten, wie Essen und Trinken seit Jahrtausenden als sozialer Klebstoff funktionieren. Während der Vortrag komplett gratis ist, wird für die Ausstellung der reguläre Museumseintritt fällig – Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre haben jedoch generell freien Eintritt.