Wo früher Lastwagen parkten und die Stadtgärtnerei ihre Pflanzen zog, entsteht in den kommenden Jahren ein hochmodernes Öko-Quartier. Ein millionenschweres Investitionsvolumen soll ressourcensparenden Wohnraum direkt am Südfriedhof schaffen.

Ein zukunftsweisendes Großprojekt für eine nachhaltige Stadtentwicklung nimmt in Herne Fahrt auf: Auf dem rund zweieinhalb Hektar großen Gelände des ehemaligen Betriebshofs und der Stadtgärtnerei im Stadtbezirk Sodingen entsteht die neue Klimasiedlung Wiescherstraße. Als erster sichtbarer Schritt zur Realisierung des neuen Wohnquartiers haben nun die offiziellen Abbrucharbeiten der alten Fahrzeughallen und Betriebsgebäude begonnen.

Wohnhöfe und ein weitgehend autofreies Konzept

Die städtebaulichen Planungen für das Areal gehen auf einen Entwurf des Dortmunder Planungsbüros bjp Bläser Jansen und Partner zurück. Das Konzept sieht eine bewusst aufgelockerte Bauweise vor:

  • Gemeinschaftliche Begegnungsorte: Der Entwurf teilt das Quartier in mehrere Wohnhöfe auf, die jeweils über kleinere gemeinschaftliche Aufenthaltsflächen als Treffpunkte für die zukünftige Nachbarschaft verfügen.

  • Autofreier Kernbereich: Um den Durchgangsverkehr aus dem Wohnumfeld herauszuhalten, wird das gesamte Quartier über eine zentrale Quartiersgarage weitgehend autofrei gestaltet.

  • Gutes Mikroklima: Die aufgelockerte Anordnung der Gebäude in Kombination mit dem erhaltenden Baumbestand sorgt durch gezielte Durchlüftung und Schattenwurf auch an heißen Sommertagen für ein angenehmes Klima in der Siedlung.

  • Grüne Energie: Für eine optimierte Energiebilanz der neuen Wohnhäuser werden flächendeckend Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) auf den Dächern installiert.

„Mit der Erschließung des Areals sorgen wir angesichts der hohen Nachfrage nicht nur für ein größeres Wohnraumangebot in der Stadt. Sondern durch die Umnutzung einer ehemaligen Gewerbefläche handeln wir hier auch besonders ressourcensparend und zugleich klimaschonend“, betont Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda den nachhaltigen Charakter des Projekts.

Gründliche Vorbereitung wegen historischer Altlasten

Da auf dem Gelände in der Vergangenheit unter anderem auch eine Ziegelei ansässig war, ging man bei der Vorbereitung auf Nummer sicher. Vor dem Start der Abrissbagger wurden umfangreiche Schadstoff- und Bodengutachten eingeholt. Unabhängige Experten haben im Vorfeld ein detailliertes Rückbau- und Abfallwirtschaftskonzept erstellt, das nun als strikte Leitlinie für die Entsorgung dient, wie Achim Wixforth, Fachbereichsleiter Umwelt und Stadtplanung bei der Stadt Herne und SEG-Geschäftsführer, erläutert.

Stadtbaurat Stefan Thabe ergänzt, dass mit dem Abbruch und dem im Spätsommer erforderlichen Grünschnitt bis zum Herbst die baurechtlichen Voraussetzungen für die eigentliche Umsetzung geschaffen werden.

Bezug bis zum Ende des Jahrzehnts geplant

Der Zeitplan für das städtebauliche Highlight steht bereits in den Grundzügen: Der offizielle Start der eigentlichen Hochbaumaßnahmen ist für das kommende Jahr 2027 geplant. Läuft alles nach Plan, können sich die ersten Mieter und Eigentümer bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts auf den Einzug in ihr neues, grünes Zuhause freuen, prognostiziert SEG-Geschäftsführer Ronald Graf. Die Stadt Herne und die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) rechnen für die Entwicklung des modernen Quartiers mit einem Investitionsvolumen von rund 60 Millionen Euro.