In der Debatte um die Zukunftsfähigkeit und Belebung der Herner Innenstadt schlagen Kommunalpolitiker deutliche Töne an. Auslöser der Kritik von Stadtverordneten aus dem SPD-Ortsverein Herne-Mitte ist eine öffentlich gewordene Mietpreisforderung für eine zentrale Gewerbefläche auf der Fußgängerzone Bahnhofstraße: Für das bisher vom Textilhändler „JD Sports“ genutzte Ladenlokal wird derzeit eine monatliche Kaltmiete von 13.500 Euro verlangt.
Die direkt gewählten SPD-Stadtverordneten für das Zentrum, Amelie Menges aus Herne-Mitte und Alexander Stahl aus Herne-Ost, halten diese Preisvorstellungen für wirtschaftlich vollkommen unhaltbar. Menges rechnet vor, dass eine Kaltmiete in dieser Größenordnung zusammen mit Personal-, Betriebs-, Investitions- und Nebenkosten rasch monatliche Fixausgaben von etwa 40.000 Euro verursacht. Selbst unter Annahme einer optimistischen Handelsmarge von 65 Prozent müsste ein Ladenbetreiber monatlich Waren im Wert von rund 73.000 Euro brutto verkaufen, um lediglich die laufenden Kosten zu decken. Kalkuliere man einen unternehmerischen Mindestgewinn und Risikopuffer ein, sei ein Brutto-Jahresumsatz von rund einer Million Euro zwingend erforderlich – eine Erwartungshaltung, die an den realistischen Umsatzpotenzialen des stationären Einzelhandels auf der Herner Einkaufsmeile vorbeigehe.
Ratsmitglied Alexander Stahl findet deutliche Worte in Richtung der Eigentümerseite und betont, dass sich der Standort Herne nicht mit der Düsseldorfer Königsallee vergleichen lasse. Wer bei Neuvermietungen solche Mondpreise ansetze, provoziere sehenden Auges zusätzlichen Leerstand und beschädige die Attraktivität der gesamten Fußgängerzone nachhaltig. Die Stadtverordneten fordern die Immobilieneigentümer daher eindringlich auf, ihrer Standortverantwortung gerecht zu werden, Augenmaß walten zu lassen und marktgerechte Mieten anzusetzen, um eine lebendige und frequenzstarke Innenstadt zu sichern.
