Wo jahrzehntelang eine riesige Schotterwüste die Akademie Mont Cenis in Herne-Sodingen prägte, blühen heute 18.000 Stauden. Das grüne Vorzeigeprojekt begeistert die Bürger.
Das ehemals graue Dreieck an der Akademie Mont Cenis in Sodingen hat sich in eine blühende Oase verwandelt. Wo jahrzehntelang Tausende Quadratmeter Schotter lagen, prägen heute prachtvolle Stauden und artenreicher Magerrasen das Bild des Stadtquartiers. Die Bezirksvertretung und der Fachbereich Stadtgrün zogen nun bei einem Vor-Ort-Termin eine durchweg positive Bilanz des ambitionierten Rückbau-Projekts.
Nachhaltige Stadtentwicklung im Ruhrgebiet und Herne
„2020 war ja hier die Idee entstanden, dass man diese Fläche, die ja hier komplett bis dahinten Grauwacke war, begrünen könnte“, erinnert sich Bezirksbürgermeister Mathias Grunert an die Anfänge des Projekts. Jahrelang hieß es von vielen Seiten, dass die steinige Fläche des sogenannten „Industrial Look“ nicht weichen könne. Doch die Kommunalpolitik und die Verwaltung der Stadt Herne bewiesen Weitsicht und entwickelten ein völlig neues, ökologisches Konzept für das rund 10.000 Quadratmeter große Areal.
Zusammen mit dem Regionalverband Ruhr (RVR), der die Maßnahme mit einem Zuschuss von 50 Prozent förderte, wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. Insgesamt schlug die Umgestaltung mit Kosten zwischen 320.000 und 330.000 Euro zu Buche. Die Bauarbeiten zogen sich über rund ein Jahr hin, da eine riesige Brechanlage den vor Ort vorhandenen Schotter zerkleinern musste, um ihn zur Abmagerung direkt wieder in den Boden einzuarbeiten.
Artenreiche Staudenbeete und Magerrasen für Sodingen
David Hucklenbroich, Fachbereichsleiter Stadtgrün der Stadt Herne, erklärt die fachliche Aufteilung der neuen Grünfläche in drei Module. „Entlang der meistfrequentierten Wege wurden rund 1.000 Quadratmeter intensiv mit insgesamt 18.000 Stauden und etwa 5.000 Blumenzwiebeln, sogenannten Geophyten, bepflanzt.“ Die restliche, riesige Fläche wurde als spezieller Magerrasen angelegt, der sich hervorragend für die heimische Insektenwelt eignet und nur zweimal im Jahr gemäht werden muss.
„Je magerer der Standort, umso artenreicher wird der eigentlich“, betont Hucklenbroich den ökologischen Wert der Anlage. Damit die Pflanzen bei extremen Temperaturen im Sommer nicht verbrennen, wurde ein halber Meter Abstand zu den angrenzenden Wegen gelassen. Zudem sorgt ein spezielles mineralisches Mulchmaterial aus Deutschland dafür, dass die Feuchtigkeit im Boden bleibt und unerwünschte Wildkräuter wie Brennnesseln keine Chance haben.
Ein Vorzeigeprojekt gegen die Hitzeentwicklung in der Stadt
Die Sorge, dass die frisch gepflanzten Stauden über Nacht entwendet oder durch Vandalismus zerstört werden könnten, hat sich nicht bestätigt. Die Bürgerinnen und Bürger in Sodingen haben die neue Grünfläche gut angenommen und erfreuen sich an der optischen Aufwertung. Früher staute sich auf der Steinwüste im Sommer die Hitze, während heute Prachtkerzen, zartes Federgras, Zierlauch und blau-violetter Salbei das Auge erfreuen.
„Weil unser Ziel ist ja nicht nur, uns irgendwo hinzustellen, wenn irgendwas ganz schrecklich läuft in unserem Stadtbezirk, sondern auch mal zu zeigen, wie positiv sich das hier entwickelt hat“, resümiert Grunert sichtlich stolz. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie aus dem ehemals größten Schottergarten der Stadt ein nachhaltiger, offener Naturraum an der Akademie Mont Cenis entstehen kann. Die Natur organisiert sich nun selbst und liefert ein perfektes Vorbild für private Gartenbesitzer im gesamten Ruhrgebiet.






