Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat den Band „Archäologie in Westfalen-Lippe 2024“ vorgestellt. Die Publikation bündelt aktuelle Erkenntnisse aus Archäologie und Paläontologie und zeigt, mit welchen Methoden Fachleute die Vergangenheit der Region erschließen. LWL-Chefarchäologe Michael Rind verweist auf die große thematische Spannbreite: Sie reicht vom Fund eines Giraffenhalssauriers aus der Mittleren Trias bis zu digitalen Projekten wie Online-Spielen.

Insgesamt umfasst der Band 85 Beiträge von 102 Autorinnen und Autoren. Viele davon greifen Projekte auf, die im Vorfeld des 1.250-jährigen Jubiläums der Ersterwähnung Westfalens entstanden. Dazu gehören Untersuchungen zur Siedlungsentwicklung im 6. und 7. Jahrhundert. Ausgrabungen in Bielefeld zeigen, dass sich frühe Siedlungen auf wenige Kernräume konzentrierten und erst im karolingischen Ausbau deutlich wuchsen. Gleichzeitig angelegte Wallburgen spielten dabei wohl eine wichtige Rolle.

Auch die Burgenforschung steht im Fokus. Die Altertumskommission setzt seit 2024 verstärkt auf minimalinvasive Methoden wie Rammkernsondagen. Sie eignen sich für geschützte Denkmäler und ermöglichen genauere Datierungen. Erste Ergebnisse verändern bisherige Zeitansätze für Befestigungen aus der Epoche, als Karl der Große nach Westfalen kam.

Digitale Verfahren gewinnen an Bedeutung. Die Themen reichen von geomagnetischen Prospektionen über 3D-Scans bis zu lokalgeschichtlichen Online-Projekten. Die Nachfrage steigt: Mehr als 100.000 Beiträge der Zeitschrift wurden im Jahr 2025 heruntergeladen.

Der Band enthält auch Berichte zu Einzelfunden. Dazu gehören ein Flintdolch aus der Region Arnsberg sowie die Teile eines bronzezeitlichen Schwerts, die bei Rhede entdeckt wurden. Weitere Beiträge befassen sich mit Bleihorten aus der frühen römischen Kaiserzeit, städtischen Entwicklungsprozessen in Rheda-Wiedenbrück oder neuen Erkenntnissen zu Synagogen-Standorten in Burgsteinfurt.

Erhältlich ist die Publikation für 19,50 Euro im Buchhandel und in den LWL-Museen. Nach einem Jahr werden die Beiträge im Open Access zugänglich gemacht. Weitere Informationen bietet die LWL-Archäologie im Internet.