Ein zeitgenössisches Ölgemälde ergänzt die Sonderausstellung „Mahlzeit! Wie Essen uns verbindet“ im LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne. Das Werk greift aktuelle Esstrends auf und verbindet sie mit kulturhistorischen Fragestellungen.
Zu sehen ist es im Eingangsbereich der Ausstellung. Der Dialog zwischen moderner Kunst und Archäologie steht dabei im Mittelpunkt.
Im LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne ist derzeit nicht nur Archäologie zu sehen. In der Sonderausstellung „Mahlzeit! Wie Essen uns verbindet“ nimmt ein großformatiges Ölgemälde des Künstlers Jörg Strobel eine zentrale Rolle ein. Das rund 4,5 Meter breite Triptychon mit dem Titel „Das Mahl“ empfängt die Besucherinnen und Besucher direkt im Eingangsbereich.
Das Werk ist Teil der Serie „Tischlein deck’ ICH“, in der sich Strobel mit Ernährung als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen auseinandersetzt. Thematisiert werden unter anderem Massenproduktion, Nachhaltigkeit, Konsum und Verzicht.
Esstrends als gesellschaftlicher Spiegel
Formal orientiert sich das Gemälde am „Abendmahl“ von Leonardo da Vinci. Am Tisch versammelt Strobel unterschiedliche Ernährungstypen, die für heutige Lebensstile stehen. Gezeigt werden unter anderem Genießer, Maßlose und Verweigernde. Das Bild stellt Fragen nach der Bedeutung von Ernährung in der Gegenwart und nach ihrem Stellenwert im gesellschaftlichen Selbstverständnis.
Essen erscheint dabei als kultureller Marker. Es verweist auf Werte, Ideologien und individuelle Lebensentwürfe. Das soziale Miteinander tritt in der Darstellung zugunsten individueller Haltungen zurück.
Präzise Arbeitsweise und historische Bildsprache
Der Entstehung des Gemäldes ging eine umfangreiche Recherche voraus. Strobel entwickelte zunächst verschiedene Ernährungstypen, die zeichnerisch festgehalten wurden. Darauf folgten ein Casting und ein mehrtägiges Fotoshooting. Die Fotografien dienten als Vorlage für das Ölgemälde.
Der Künstler arbeitet überwiegend fotorealistisch. Die Lichtführung und der Malstil orientieren sich an den Alten Meistern. Museumsleiterin Melanie Wunsch sieht darin eine bewusste Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Aktuelle Themen würden in einer traditionellen Bildsprache sichtbar gemacht und in einen größeren kulturhistorischen Zusammenhang eingeordnet.
Der Künstler Jörg Strobel
Jörg Strobel wurde 1968 geboren und lebt in Kelkheim im Taunus. Nach einer Ausbildung als Grafikdesigner wandte er sich der klassischen Ölmalerei zu. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht der Mensch in seinem sozialen und historischen Kontext. Seine Werke bewegen sich zwischen Realismus und Hyperrealismus und zeichnen sich durch reduzierte Farbwelten und eine bühnenhafte Inszenierung aus.
Ausstellung bis September 2026 zu sehen
Die Sonderausstellung „Mahlzeit! Wie Essen uns verbindet“ ist noch bis zum 13. September 2026 im LWL-Museum für Archäologie und Kultur in Herne zu sehen. Sie zeigt anhand von mehr als 300 Exponaten, wie gemeinsames Essen seit Jahrtausenden Gesellschaften prägt. Thematisiert werden Rituale, Machtstrukturen, sozialer Wandel und aktuelle Herausforderungen rund um Ernährung.
Die Ausstellung wird durch die LWL-Kulturstiftung gefördert.
