Herne-Coach Lenny Soccio rechnet mit seinem Team ab

Herne Miners / Herner EV

(c) Sebastian Sendlak

Der Herner EV stürzt nach einer 3:6-Heimniederlage gegen den EV Duisburg auf den letzten Tabellenplatz der Oberliga ab. Auf der anschließenden Pressekonferenz fand Cheftrainer Lenny Soccio drastische Worte für die Einstellung seiner Spieler.

Die sportliche Krise beim Herner EV hat nach dem Revierderby gegen die Füchse Duisburg ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Nach der ernüchternden 3:6-Niederlage vor heimischer Kulisse in der Hannibal Arena rutschte der Traditionsklub an das Tabellenende der Oberliga ab. Das Resultat geriet jedoch rasch in den Hintergrund, denn auf der Pressekonferenz nach Spielende platzte Hernes Cheftrainer Lenny Soccio der Kragen: In einer bemerkenswert offenen und schonungslosen Brandrede stellte der Coach den Teamgeist und die Mentalität seiner Mannschaft öffentlich infrage.

Fehlende Führungsspieler und mangelnde Gegenwehr auf dem Eis

Soccio, der den Gästen um Trainer Frank Petrozza zunächst sportlich fair gratulierte, wollte für das Auftreten seiner Mannschaft keinerlei Ausreden mehr gelten lassen. Man habe im Vorfeld versucht, den Spielern aus der Krise zu helfen, persönliche Gespräche geführt, Taktiken an die Wünsche der Mannschaft angepasst und die Marschroute für das Derby klar vorgegeben. In den ersten Minuten hätte die Energie eines Derbys über einfachen Körpereinsatz, geblockte Schüsse und geradliniges Spiel transportiert werden müssen, doch auf dem Eis folgte die Ernüchterung. Soccio monierte vehement, dass Führungsspieler fehlten, die vorangingen und Verantwortung übernähmen. Als Trainer könne er Abläufe vorgeben, Videoanalysen betreiben und Unterstützung anbieten, auf dem Eis spielen müssten die Akteure jedoch selbst.

„Das ist kein Team“: Harte Vorwürfe an die Kabine

Besonders tief saß der Frust über die fehlende Einstellung und die taktische Disziplinlosigkeit. Während Trainingsinhalte wie das Über- und Unterzahlspiel erste Ansätze zeigten, handelten viele Akteure im laufenden Spiel eigenmächtig. Wenn Spieler an der gegnerischen blauen Linie warteten, anstatt im System mitzuarbeiten, habe das mit mannschaftlicher Geschlossenheit nichts mehr zu tun. Der Verein, von der Geschäftsführung bis zum Vorstand, biete den Spielern optimale Rahmenbedingungen, erhalte dafür jedoch keine adäquate Gegenleistung auf dem Eis. Er spiele seit seinem vierten Lebensjahr Eishockey, durchlebe nun aber die schwierigste Phase seiner Trainerlaufbahn. Derzeit stünden zwar zwanzig Akteure im gleichen Trikot auf dem Spielfeld, eine funktionierende Mannschaft sei das jedoch nicht. So könne es nicht weitergehen, stellte Soccio klar – es müsse sich schleunigst etwas ändern.

Die Brandrede in Allen Ehren, aber eines wird durch diese Ansprache auch deutlich: Der Trainer hat seine Mannschaft verloren. Wie reagiert nun der Herner EV?

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