Am 14. März 2026 feierte der Zirkus Schnick-Schnack in Herne die Premiere eines außergewöhnlichen Formats: Beim „Konzert unter der Kuppel“ verschmolzen Live-Musik und Artistik zu einer energiegeladenen Symbiose.

Statt Popcorn-Duft lag Rock’n’Roll in der Luft, als der Zirkus Schnick-Schnack erstmals sein Zelt an der Jürgens Hof für ein reines Musik-Event mit artistischem Rahmen öffnete. Das Ziel der Veranstalter Christian Stoll, Tobias Stiebling und Christian Holtkamp: Eine Plattform für Künstler „unter dem Radar“ zu schaffen und gleichzeitig die Zirkuskunst mit der rohen Energie des Ruhrgebiets-Rock zu verzahnen. Für das leibliche Wohl der über 300 Besucher sorgten die Herner Black Barons, während auf der Bühne Bands aus der Region für ordentlich Dezibel sorgten.

Max Buskohl: Düstere Nostalgie und Akustik-Momente

Ein besonderes Highlight im Vorzelt war der Auftritt von Max Buskohl. Der ehemalige DSDS-Finalist, der extra aus Berlin angereist war, kehrte zu seinen Wurzeln zurück. Er hatte für den Abend alte deutsche Songs ausgegraben, die in seiner Zeit in Herne entstanden waren. „Die stammen aus der Zeit, in der ich hier im Moondog gewohnt habe – mal unter, mal über der Bass-Box“, erinnerte er sich. Die düsteren, atmosphärischen Stücke wie „Ich vermiss dich“ oder „Voll normal“ fesselten das Publikum, das gebannt auf Barstühlen lauschte.

Trotz kleinerer technischer Tücken – Buskohl kämpfte mit einer verstimmten Gitarre („Das war so nicht abgesprochen“) – bewies er seine Professionalität. Der Musiker, der aktuell auch stark im Kulturaustausch mit der Ukraine engagiert ist, zeigte sich unbeeindruckt von der ungewöhnlichen Kulisse: Ob im Zirkuszelt oder bei Roncalli, für ihn mache es keinen Unterschied, man müsse den Moment nehmen, wie er ist.

Fotos: Sebastian Sendlak

Punk-Power und Gänsehaut-Cover unter der Kuppel

In der Manege übernahmen dann die Bands das Zepter. Screenplay brachte mit ihrem Sound, der an Punk-Größen wie Sum 41 oder Blink-182 erinnerte, das Zelt zum Kochen. Die Sängerin, die stilistisch Vergleiche mit Paramore oder Avril Lavigne hervorrief, forderte die Fans immer wieder auf, nach vorne zu kommen. Besonders bei dem Song „Black Holmes“, der eingangs an „Westerland“ erinnerte, gab es vor der Bühne kein Halten mehr. Ein emotionaler Höhepunkt war das Cover von „Standing Still“, bei dem das Publikum den Refrain komplett alleine sang.

Als die Arbeitstiere die Bühne betraten, war das Zelt bereits gut gefüllt. Mit kraftvollen Covern von Green Day (unter anderem „American Idiot“) und den Foo Fighters trafen sie genau den Nerv der Herner Rock-Fans. Die Verzahnung mit den Artisten, die während der Sets ihre Kunst zeigten, wurde von der Band als echtes Highlight gewürdigt.

Ein Konzept mit Zukunft

Veranstalter Christian Holtkamp, der mit seinem Unternehmen gleichzeitig 30-jähriges Jubiläum feierte, zog ein positives Fazit. Die Kombination aus Zirkus-Atmosphäre und regionalem Heavy Rock sei in dieser Form einzigartig. Um die Lärmschutzvorgaben einzuhalten, wurde das Programm am späteren Abend geschickt in eine Kopfhörerparty überführt – ein Konzept, das sich bereits in den Flottmannhallen bewährt hat.

Der Erlös der Veranstaltung kommt nach Deckung der Kosten dem Verein Zirkus Schnick-Schnack zugute, was den Gemeinschaftsgedanken des Projekts unterstreicht. Nach dem Erfolg dieser Ausgabe scheint eine Fortsetzung des „Konzerts unter der Kuppel“ mehr als wahrscheinlich.